Bestandsaufnahme
Heute möchte ich einfach mal eine Bestandsaufnahme zum derzeitigen SAAB-Sachverhalt schreiben. Mir ist bewusst, dass sich die Situation täglich, ja fast stündlich, neu darstellen kann und ich gebe zu bedenken, dass diese Angaben einfach nur Fakten sowie Möglichkeiten widerspiegeln und nicht vollständig sind.
1. Youngman möchte nächste Woche ein verbessertes Angebot für SAAB Automobile abgeben. Die Rede ist von 5 Milliarden Kronen. Die Produktion soll innerhalb von 15 Wochen mit dem 9-3 wieder aufgenommen werden. Es ist keine Rede mehr von der gesamten Produktion. Möglich wäre aber, dass man sich verpflichtet den chinesischen Markt vorübergehend nicht zu bedienen.
2. BAIC wird vermutlich ab April mit der Produktion von eigenen Fahrzeugen auf Basis der alten 9-3- und 9-5-Modelle beginnen. Sämtliche derzeitigen SAAB-Modelle würden in Konkurrenz stehen, von daher werden nicht nur GM sondern auch BAIC ein Veto für einen chinesischen Marktauftritt einlegen.
3. Semcon hat an einigen Mitarbeiter/Innen sowie Teilen der Werkzeuge und Technologien von SAAB Automobile Interesse. Ein Ausverkauf wurde (noch) durch Hemfosa gestoppt. Sollte das Youngman Angebot für die Insolvenzverwalter akzeptabel sein, wird SAAB nicht zerlegt.
4. Saab AB und Scania besitzen die Rechte am Namen und Logo. Nur wenn ein tatsächlich potentieller und glaubwürdiger Partner erscheint, werden vermutlich diese freigegeben. Ob der Greiff noch einmal auf dem Wappen prangt, ist jedoch fraglich.
5. Die Marke SAAB Automobile besitzt trotz Querelen einen nicht unerheblichen Marktwert. Daher ist es eher unwahrscheinlich, dass sie (langfristig) verschwindet. Meine Vermutung: SAAB wird als weitere Marke in einem großen Automobilkonzern integriert. In Frage kommen könnte, ein Hersteller mit dem man bereits Verträge geschlossen hat.
6. Das SAAB-Werk ist modern sowie flexibel aufgestellt und besitzt eine günstige Verkehrsanbindung. Diesen Vorteil wird Stallbacka für Auftragsproduktionen und Automobilentwicklungen weiter nutzen können, kurzfristig jedoch nicht mehr in der Größe der ehemaligen Belegschaft.
7. Der Verband der Zulieferer ist an einer vollständigen Übernahme von SAAB Automobile interessiert, damit die derzeitigen Ausfälle überschaubar und neue Aufträge kalkulierbar bleiben. Ob die Verwalter diese Ansicht teilen, ist fraglich. Zu Komplex ist diese Insolvenz.
8. Alle Exponate im SAAB bilmuseum wurden zur Auktion ausgeschrieben, da es vermutlich keinen Interessenten für die vollständige Sammlung gibt. Unterstützungsaktionen zum Erhalt und Unterhalt wurden angeboten und registriert, jedoch (bis jetzt) nicht öffentlich umgesetzt. Zu hoffen bleibt, dass es ein Angebot für die komplette Sammlung gibt, so dass sich die Insolvenzverwalter auf eine zügige Abwicklung einigen. Eine weltweite Auswertung von über 100 Exponate dürfte sehr zeitintensiv ausfallen.
9. Die Vertriebswege und Servicemöglichkeiten von SAAB Autos sind noch vorhanden, so dass Interessenten darauf zurück greifen können.
10. Die SAAB-Neuwagengarantie wurde inzwischen gelöst, auch dieser Sachverhalt wirkt sich positiv auf ein mögliches Geschäft aus.
11. Die Ersatzteilversorgung ist ein profitables Geschäftsfeld, so dass auch weiterhin Zubehör, Ersatzteile und Serviceleistungen angeboten werden. SAAB Automobile zeichnen sich durch Zuverlässigkeit, Zeitlosigkeit, Sicherheit und Individualismus aus, diese Faktoren werden langfristig ihre Liebhaber und Fahrer/Innen finden.
